„Die Kirche ist ihrem Wesen nach synodal!“

Digitaler Pfingstempfang des Diözesankomitees Paderborn zum Synodalen Weg

Das Diözesankomitee im Erzbistum Paderborn begrüßte zu seinem diesjährigen Pfingstempfang am 28. Mai die Vizepräsidentin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK) Karin Kortmann sowie den Professor für Pastoraltheologie und Rektor der Katholischen Hochschule NRW Hans Hobelsberger. Der Reformprozess der katholischen Kirche, der Synodale Weg, stand im Mittelpunkt der digitalen Veranstaltung.

Nach der Begrüßung durch die beiden Vorsitzenden des Diözesankomitees Nadine Mersch und Jan Hilkenbach stand zunächst die Genese des Synodalen Weges und dessen Arbeitsweise im Mittelpunkt des Gesprächs.

Karin Kortmann und Hans Hobelsberger warfen dabei einen vielschichtigen Blick auf den am ersten Advent 2019 begonnenen Reformprozess. Karin Kortmann, die gleichzeitig Mitglied des Synodalpräsidiums ist, stellte dabei heraus, dass das ZdK sowohl Kirche als auch Gesellschaft mitgestalte. Der Synodale Weg diene sowohl der Klärung von zentralen Themen- und Handlungsfeldern in und für die Kirche als auch der gemeinsamen Suche nach Schritten zur Stärkung des christlichen Zeugnisses in der Welt. Daher müsse auch die Skepsis, die sich in der Gesellschaft gegenüber der Kirche äußere, mitbedacht werden.

Hans Hobelsberger betonte indes, dass der Synodale Weg an einem Scheideweg stehe, insbesondere weil kirchenrechtliche Probleme bisher nicht gelöst seien: Das Kirchenrecht kenne solch einen Synodalen Weg nicht. Jenseits der kirchenrechtlichen Betrachtung bleibe zu betonten, dass die Kirche ihrem Wesen nach eine synodale Kirche sei – im gemeinsamen Suchen, Hören und Diskutieren aller Gläubigen. In der Haltung des Hörens auf den Geist Gottes komme der Glaubenssinn aller Gläubigen zum Ausdruck. Das Gottesvolk als Ganzes könne nach geltender katholischer Lehre nicht irren. Demensprechend sprach er dem Synodalen Weg eine Chance jenseits kirchenrechtlicher Inkraftsetzungen zu. Er regte an, darüber nachzudenken, nach welchen Kriterien Erfolg oder Misserfolg des Synodalen Weges zu bewerten seien. Wie könne es gelingen, das enorme Potential der Texte, die in den vier thematischen Foren entwickelt werden, wertzuschätzen und ihnen auch über den Prozess hinaus Geltung zu verleihen?

Den Wert dieser Texte hob auch Karin Kortmann hervor: Sie müssten theologisch fundiert sein, um zu überzeugen. Gleichzeitig – so skizzierte sie die Herausforderung – müssten die Texte auch die Menschen mitnehmen und anschlussfähig für Aktive und Außenstehende sein. Kortmann betonte, dass in der Art und Weise der Bearbeitung der Texte sowie der Sitzungen spürbar werde, dass der Synodale Weg im Kern ein geistlicher Weg sei.

Beide erläuterten, dass der Synodale Weg auch den Auftrag habe, sich der Überwindung sexualisierter Gewalt und der damit verbundenen Unglaubwürdigkeit der Kirche zu stellen. Wie könnten die Deckmäntel des Vertuschens abgelegt und deren begünstigende Strukturen in der katholischen Kirche identifiziert werden, um zukünftig Gewalt in ihren verschiedenen Ausprägungen zu verhindern? Dies aufzudecken und aufzuarbeiten sei Teil des Synodalen Weges.

Zahlreiche Zuschauerinnen und Zuschauer beteiligten sich digital per Stimmungsbildern und mit gezielten Fragen an der Diskussion. Als Anwalt des Publikums brachte der Geschäftsführer des Diözesankomitees Christian Föller die Rückmeldungen und Fragen in die Diskussion ein. So wurde auch der digitale Pfingstempfang wieder zu einer lebendigen Veranstaltung.

Die Vorsitzenden des Diözesankomitees Mersch und Hilkenbach, beide auch Mitglied der Synodalversammlung, dankten für die wichtigen Blickwinkel und die engagierte Diskussion. Sie versicherten, weiterhin zum notwendigen Ringen um den Reformprozess einzuladen und beizutragen.

Das obige Foto zeigt v. l.: Jan Hilkenbach, Nadine Mersch, Hans Hobelsberger, Karin Kortmann, Christian Föller

Fotos: © Der Dom/Claudia Auffenberg