Aufarbeitung sexualisierter Gewalt im Erzbistum Paderborn

Unser Beitrag zur Aufklärung und Begleitung
Seit vielen Jahren begleiten wir als Diözesankomitee den Weg der Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs im Erzbistum Paderborn – in Solidarität mit Betroffenen, im kritischen Dialog mit kirchlichen Verantwortlichen und im Bewusstsein, dass echte Aufklärung nur im gemeinsamen Gespräch gelingen kann.
Am Donnerstag, 12. März 2026, wurde der erste Teil der unabhängigen kirchenhistorischen Missbrauchsstudie der Universität Paderborn der Öffentlichkeit vorgestellt. Professorin Dr. Nicole Priesching, Lehrstuhlinhaberin für Kirchengeschichte und Religionsgeschichte an der Universität Paderborn, und Projektkoordinatorin Dr. Christine Hartig haben die Studie seit 2019 erarbeitet. Untersucht wurden die Amtszeiten der Erzbischöfe Lorenz Jaeger und Johannes Joachim Degenhardt (1941-2002). Ein Großteil der bekannten Missbrauchsfälle im Erzbistum Paderborn fällt in diesen Zeitraum.
- Unabhängige wissenschaftliche Analyse: Historiker*innen der Universität Paderborn haben die Vorgänge umfassend untersucht, um objektive Erkenntnisse zu gewinnen.
- Strukturen und Verantwortlichkeiten: Die Studie zeigt auf, wie kirchliche Strukturen und Entscheidungen systemisches Versagen begünstigt haben.
- Grundlage für Dialog und Veränderung: Sie liefert Erkenntnisse, die helfen, Schutzmaßnahmen und Prävention nachhaltig zu verbessern.
Als Diözesankomitee haben wir in den vergangenen Jahren aktiv dafür gesorgt, dass:
- Betroffene gehört und ernst genommen werden.
- Transparenz über kirchliche Entscheidungswege hergestellt wird.
- Wissenschaftliche Aufarbeitung und unabhängige Begleitung konsequent unterstützt werden.
Darüber hinaus haben wir einen Beschluss gefasst sowie eine Arbeitsgruppe eingerichtet, die konkrete Maßnahmen fordern.
Wie findet man Worte für etwas, das eigentlich unbeschreiblich ist? Hinter den Zahlen der großen Studien, die sexualisierte Gewalt innerhalb der katholischen Kirche aufklären sollen, stehen Einzelschicksale von Betroffenen. Gesprochen wird oft über die Täter, selten über die Opfer. Wer diese Zeugnisse biographischer Brüche sieht, erkennt die Dimension sexualisierter Gewalt auf andere Weise als Zahlen zu lesen. Durch eindrucksvolle Portraits und persönliche Erzählungen werden die Erfahrungen Betroffener in der Ausstellung "Betroffene zeigen Gesicht" der Akademie Rottenburg-Stuttgart sichtbar und greifbar gemacht. Die Ausstellung soll Raum für Anerkennung, Austausch und Sensibilisierung schaffen. Sie lädt dazu ein, sich mit den Geschichten der Betroffenen auseinanderzusetzen, zuzuhören und gemeinsam Wege der Aufarbeitung und Veränderung zu gehen.
Als Diözesankomitee haben wir diese Ausstellung im Jahr 2025 in unserem Erzbistum gezeigt:
- Den Pressebericht zum Pfingstempfang 2025 können Sie hier nachlesen.
- Ein Rückblick auf die Ausstellung während des Liborifestes 2025 im Hohen Dom zu Paderborn ist hier zu finden.
Der Gedenkort im Paderborner Dom zur Erinnerung an sexuelle Gewalt und geistlichen Missbrauch wird am 2. März 2026 in einer Gedenkstunde vorgestellt.
„memory – AUFDECKEN + ERINNERN“: Das ist der Name des Gedenkorts, den der Künstler Christoph Brech in der Brigidenkapelle des Paderborner Domes zur Mahnung und Erinnerung an die sexuelle Gewalt und den geistlichen Missbrauch im Erzbistum Paderborn geschaffen hat. Am Montag, 2. März 2026, laden das Erzbistum, das Metropolitankapitel und die Unabhängige Betroffenenvertretung um 18.30 Uhr zu einer Gedenkstunde im Dom ein, bei der das Mahnmal der Öffentlichkeit präsentiert wird. Alle Interessierten sind herzlich willkommen.
Nach der Präsentation der Studie am 12. März 2026 folgen im Erzbistum Paderborn weitere Formate: Pressegespräche, Dialogveranstaltungen für Betroffene, regionale Gesprächsforen und weitere Informationsangebote. Wir werden aktiv teilnehmen, unsere Perspektiven einbringen und darauf achten, dass Betroffeneninteressen konsequent Gehör finden.
Betroffene von Missbrauch können sich an geschulte Fachstellen wenden, die vertrauliche und unabhängige Hilfe bieten:
- Erzbistum Paderborn – Beratung und Hilfe für Betroffene
- Unabhängige Betroffenenvertretung im Erzbistum Paderborn e.V.
- Betroffenenseelsorge/ Weitere unabhängige und nicht kirchliche Beratungsstellen
Wir ermutigen Betroffene ausdrücklich, diese Angebote in Anspruch zu nehmen.
Die Broschüre "Informationen zum Umgang mit und zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch im Erzbistum Paderborn" kann hier eingesehen werden.